
Markteintritt: Wie man kommunikative Fallstricke vermeidet
Die Expansion in einen neuen Markt ist stets ein Wagnis. Ein einziger kommunikativer Fehler kann Reputation und Budget gleichermaßen gefährden. Wie lässt sich das vermeiden? ITCOMMS-Expertin Alina Morozova gibt praktische Empfehlungen, wie Sie Ihre PR-Strategie an ein neues kulturelles und mediales Umfeld anpassen.
Die Expansion in einen neuen Markt ist stets ein Wagnis. Ein einziger kommunikativer Fehler kann Reputation und Budget gleichermaßen gefährden. Wie lässt sich das vermeiden? ITCOMMS-Expertin Alina Morozova gibt praktische Empfehlungen, wie Sie Ihre PR-Strategie an ein neues kulturelles und mediales Umfeld anpassen.

Frühzeitig mit der Vorbereitung beginnen
Der erste Schritt beim Markteintritt ist die Analyse der Informationslandschaft. Entscheidend ist zu verstehen, was über das eigene Unternehmen bereits öffentlich bekannt ist: Gibt es Presseerwähnungen, Case Studies oder Interviews? Fehlt eine solche Präsenz vollständig, verlagert sich der Fokus auf Branche und Wettbewerb – welche Medien darüber berichten, wie diese mit Journalisten zusammenarbeiten und ob sie auf bezahlte Platzierungen setzen.
Dieses „Röntgenbild" liefert die Grundlage für eine PR-Roadmap: wo Interviews sinnvoll priorisiert werden sollten und wo Studien oder Expertenkommentare mehr Resonanz erzielen.
Die neue Zielgruppe verstehen
Markterweiterung ist ohne eine gründliche Zielgruppenanalyse nicht denkbar – und diese findet auf mehreren Ebenen statt:
Kontext: kulturelle, historische und gesellschaftliche Besonderheiten; Werte und Verhaltensmuster
Medienlandschaft: welche Kanäle die Menschen nutzen und denen sie vertrauen – Blogger, Telegram-Kanäle, klassische Medien
Konsumverhalten: Kaufkraft, Gewohnheiten, Einstellung gegenüber Marken
Kommunikationskanäle: LinkedIn dominiert in den USA, WhatsApp in Lateinamerika, WeChat in China
Dieselbe Botschaft kann in verschiedenen Märkten völlig unterschiedlich aufgenommen werden. In den USA wird Personalisierung geschätzt – in Deutschland kann sie schnell als aufdringlich wirken. Europa setzt auf Transparenz und Nachhaltigkeit, während in Asien soziale Bewährtheit entscheidend ist. Im Kaukasus und in Zentralasien sind persönliche Empfehlungen und das Vertrauen der Community oft ausschlaggebend.

Das Wertversprechen anpassen
Werte und Kommunikation lassen sich nicht einfach vom Heimatmarkt „übersetzen". In Zentralasien zählen vor allem Verlässlichkeit und der Beitrag zur lokalen Wirtschaft. In Georgien und Aserbaidschan stehen Servicequalität und ein menschenzentrierter Ansatz im Vordergrund.
Slogans, Visuals, Tonalität – alles bedarf der Anpassung. Was in Europa überzeugend klingt, kann anderswo zu förmlich oder zu pompös wirken.
Lokale Agenturen und Experten werden zu unverzichtbaren Wegweisern: Sie helfen, sich in den kulturellen Kontext einzufügen, Fehler zu vermeiden und Vertrauen aufzubauen. Das Ziel ist nicht, die eigene Unternehmensidentität aufzugeben, sondern echten Respekt vor lokalen Traditionen und aufrichtiges Interesse an der Entwicklung der Region zu zeigen.
Testen und flexibel bleiben
Zu Beginn ist kein großes Budget erforderlich. Entscheidend ist das Testen von Mikrohypothesen – das Ausprobieren zahlreicher kleiner Botschaften und Formate, um schnell herauszufinden, was ankommt.
„Schwache Signale" sind dabei äußerst wertvoll: lokale Memes, Diskussionen und spontane Social-Media-Trends. Sie spiegeln die Stimmung der Zielgruppe oft schneller und präziser wider als formelle Marktforschung.
Inhalte sollten flexibel sein. Statt eines einzigen „globalen" Creatives empfiehlt sich ein modularer Rahmen, der lokal angepasst werden kann – sowohl in der Botschaft als auch in der Bildsprache.

Die Stärke von Offline-Events
In vielen Ländern sind Offline-Events ein hervorragendes Instrument für den Marktstart. Media-Briefings, Meetups und lokale Konferenzen helfen dabei, Vertrauen aufzubauen, medienrelevante Momente zu schaffen und direkte Beziehungen zu Journalisten zu knüpfen. Besonders wirksam ist dieser Ansatz in Zentralasien und im Kaukasus, wo persönlicher Kontakt weitaus höher geschätzt wird als klassische Werbung.
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