Interviewvorbereitung ohne Fehler: Was einen Sprecher überzeugend macht
Wie Sprecher auf Interviews vorbereitet werden – und was Interviews zu einem starken Instrument der Unternehmenspositionierung macht.
Einen Sprecher auf ein öffentliches Interview vorzubereiten heißt nicht, Antworten auswendig zu lernen – es ist systematische Arbeit: vom Verständnis der Rolle, die die Person im Unternehmen spielt, über das Einüben schwieriger Fragen bis zum souveränen Auftreten vor der Kamera. Alina Morozova, Expertin der PR-Agentur ITCOMMS, beschreibt in diesem Artikel einen Vorbereitungsprozess, der Interviews zu einem starken Instrument der Unternehmenspositionierung macht.

Am Anfang steht das Gespräch
Die Vorbereitung auf ein öffentliches Interview beginnt fast nie mit dem Formulieren von Kernbotschaften oder dem Abstimmen von Fragen – sie beginnt mit einem Gespräch. Im ersten Schritt geht es darum, mit dem Sprecher zu sprechen (oder er reflektiert selbst) und zu verstehen, womit er sich tatsächlich beschäftigt: wofür seine Abteilung verantwortlich ist, wo sein Verantwortungsbereich endet, wie sein Arbeitsalltag aussieht und welche strategischen Aufgaben er löst. Bei einem CEO lohnt sich zusätzlich der Blick darauf, wo er operativ eingebunden ist und wo er die langfristige Ausrichtung prägt.
Auch naive Fragen sind wichtig
Steht dieses Bild, folgt der nächste Schritt: möglichst einfache, „naive“ Fragen stellen, wie sie jeder Branchenfremde stellen würde. Worauf wirkt sich sein Handeln im Unternehmen tatsächlich aus, woran arbeitet das Team, was ist das für ein Produkt, was kann es gut und warum, wie beeinflusst es den Markt insgesamt? Im Grunde ist das ein Kennenlerngespräch, in dem Sie den Menschen wirklich verstehen wollen. Das erfüllt zwei Zwecke zugleich: Sie selbst tauchen tiefer in den Kontext ein, und der Sprecher spricht freier, lernt, komplexe Dinge einfach zu erklären, und findet allmählich in den richtigen Antwortrhythmus.
Anpassung an das Format
Anschließend richtet sich die Vorbereitung immer nach dem Format, denn ein Interview für ein Printmedium, ein Podcast und ein TV-Auftritt sind drei verschiedene Zustände – psychologisch wie professionell. Für ein Textinterview genügt es in der Regel, die Fakten gründlich aufzuarbeiten, die Besonderheiten des Mediums zu besprechen und sich vorab auf mögliche Fragen einzustellen. Oft lassen sich die Fragen im Voraus anfordern, damit der Sprecher weniger „vor Ort“ nachdenken muss und mehr von den bereits ausformulierten Botschaften vermitteln kann. Im Fernsehen wird es komplizierter: Hinzu kommen Kamera, äußeres Erscheinungsbild und Körpersprache. Besonders schwer haben es diejenigen, die noch nie vor der Kamera standen oder ihre Position erst vor Kurzem übernommen haben. Hier gilt es, an buchstäblich allem zu arbeiten: von der Kleiderwahl (Farbe von Sakko, Hemd, sogar der Krawatte) bis zu Haltung, Gestik und Intonation. Vor der Kamera zählt das Visuelle nicht weniger als der Inhalt: Wirkt jemand unsicher oder ungepflegt, werden seine Worte automatisch „entwertet“.
Ein eigener Baustein ist der Abbau der Kameraangst. Die Praxis zeigt: Am besten funktionieren einfache Übungen – den Sprecher mit dem Smartphone aufnehmen und gemeinsam durchgehen, welche Haltungen und Gesten unnatürlich wirken, wo Energie verloren geht, wo Verkrampfung entsteht. Manchmal helfen schon Details wie ein Glas Wasser in Reichweite, um sich während einer langen Antwort zu „erden“. Idealerweise absolviert der Sprecher ein vollwertiges Medientraining – ein ein- bis zweitägiges Intensivtraining, das ihn auf alle denkbaren Formate vorbereitet.

Häufige Fehler im Interview
Unabhängig vom Format gibt es typische Fehler, die Sprechern immer wieder unterlaufen. Einer der häufigsten: der Versuch, den Journalisten „umzustimmen“ oder das Gespräch in einen Streit zu ziehen. Das passiert vor allem selbstbewussten Experten – und Selbstbewusstsein ist grundsätzlich ein Plus. Nur sollte man sich klarmachen: Der Journalist greift nicht an, Sie verfolgen ein gemeinsames Ziel – das Thema zu beleuchten, in dem Sie kompetent sind. Sobald die Verteidigungshaltung einsetzt, wirkt das Interview wie eine Debatte, und das ist immer eine Verliererstrategie.
Der zweite Grundfehler: die Verletzung einfacher Umgangsformen – ins Wort fallen, Fragen ignorieren, in lange Pausen abdriften. Dazu zählt auch das andere Extrem: Schweigen, ausgedehntes Grübeln, Antworten mit einer Gegenfrage. All das stärkt die Expertenrolle nicht, es arbeitet gegen sie.
Und die absolute Grundregel: nicht lügen. Weiß der Sprecher etwas nicht oder darf er es nicht offenlegen, benennt er den Rahmen besser ehrlich. Es ist kein Problem zu antworten: „Wir arbeiten gerade in diese Richtung und teilen die Ergebnisse auf jeden Fall“ oder „Wir nennen noch keine Details, aber Sie erfahren es als Erste“. Danach muss man allerdings Wort halten und die Informationen nachliefern, sobald es möglich ist.
Die Persönlichkeit des Sprechers
Ein eigenes Kapitel ist der persönliche Stil des Sprechers. Ihn zu ignorieren wäre ein großer Fehler. Wer Charisma und Ausstrahlung mitbringt, hat schon einen wesentlichen Teil des Erfolgs auf seiner Seite – dann gilt es, dem nicht im Weg zu stehen, sondern es in die richtige Richtung zu lenken. Ist jemand eher zurückhaltend, rücken andere Stärken in den Vordergrund: die Tiefe der Expertise, konkrete Cases, die Fähigkeit, komplexe Dinge verständlich zu erklären. Insofern ist Vorbereitung immer auch ein Stück Psychologie: Charakter, Temperament und gewohnte Verhaltensmuster wollen berücksichtigt sein – man arbeitet mit ihnen, nicht gegen sie.

Provokante Fragen
Die Arbeit mit unangenehmen oder provokanten Fragen folgt dem Prinzip: das Risiko lieber über- als unterschätzen. In der Vorbereitung werden alle potenziell heiklen Themen notiert, dazu die unangenehmsten Fragen, die theoretisch fallen könnten. Dann übt der Sprecher, darauf zu antworten – idealerweise vor laufender Kamera, denn dort zeigen sich Ratlosigkeit, Gereiztheit oder Ausweichmanöver am deutlichsten. Ziel ist ein Zustand, in dem die Person auf jede Frage vorbereitet wirkt und ruhig und konstruktiv antwortet. Gibt es keine Antwort oder ist das Thema nicht öffentlich, greift ein vorab vorbereiteter „Plan B“ mit korrekten Formulierungen.
Lampenfieber vor einem Interview ist völlig normal – und auch damit lässt sich arbeiten. Einer der einfachsten und wirksamsten Kniffe: den Sprecher daran erinnern, dass er mit einem ganz normalen Menschen spricht. Es hilft auch, den Journalisten vorab kennenzulernen – seine Beiträge anzusehen, seinen Stil, seine Tiefe, seine Art der Darstellung zu verstehen. Das nimmt Unsicherheit. Am meisten aber nehmen eine gründliche Vorbereitung und das Gefühl von Rückhalt den Stress: ein Team an der Seite, das den Prozess führt und absichert.
Interviews sind Übungssache
Proben und Medientrainings gehören zu den am meisten unterschätzten und zugleich wirksamsten Instrumenten der Interviewvorbereitung. Das optimale Format ist ein ein- bis zweitägiges Intensivtraining, in dem Sprecher verschiedene Szenarien durchspielen: vom Standardinterview bis zur Krisenfrage. So bereitet man sich nicht nur auf einen einzelnen Auftritt vor, sondern baut eine Fähigkeit auf. Trainieren lässt sich auch privat: Viele nutzen heute etwa ChatGPT, um sich mögliche Fragen simulieren zu lassen. Außerdem gibt es einen KI-Bot in Telegram: https://t.me/mediatrainer_bot – er erstellt auf Sie zugeschnittene Fragen, bewertet anschließend Ihre Antworten und gibt Empfehlungen dazu.
Wie man den Erfolg eines Interviews bewertet
Der Erfolg eines Interviews lässt sich nach der Veröffentlichung recht einfach beurteilen: Wurden alle Kernbotschaften vermittelt, wurde das Protokoll eingehalten, war der Journalist bei der Sache, wie natürlich klang der Sprecher? Ein aufschlussreicher Indikator ist, ob man die Antworten „herausziehen“ musste oder ob die Person das Gespräch souverän geführt hat. Wichtig ist auch das Feedback des Journalisten – es zeigt oft ehrlich, wie es wirklich gelaufen ist.
Für Unternehmen, die gerade erst anfangen, systematisch mit Sprechern zu arbeiten, ist der wichtigste Rat denkbar praktisch: in die Vorbereitung investieren. Medientrainings und starke PR-Profis sind keine „Option“, sondern eine Notwendigkeit. Ein einziger misslungener Auftritt kann eine Marke die Reputation kosten – eine kompetente Vorbereitung dagegen macht jedes Interview zu einem Instrument, das die Marktposition des Unternehmens stärkt.
Die Vorbereitung eines Sprechers auf ein Interview ist systematische Arbeit: Sie beginnt mit dem Verständnis der Person und ihrer Rolle im Unternehmen, führt über die Anpassung an das Format und die Ausarbeitung von Kernbotschaften und schwierigen Fragen und endet bei Praxis und Medientrainings. Unabhängig vom Format entscheiden am Ende die Grundlagen: klare Gedanken, Ehrlichkeit, Respekt gegenüber dem Gesprächspartner und die Fähigkeit, einfach zu sprechen. Es sind die gründliche Vorbereitung und der Rückhalt des Teams, die den Sprecher souverän und natürlich wirken lassen – und das Interview zu einem Hebel für die Marktposition des Unternehmens machen.
Übersetzt mit Hilfe eines KI-Übersetzers


